Gemeindebrief | November 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,


unser Gemeindebrief November – März ist immer ein Brief „im Wechsel“.
Vom alten in das neue Jahr. Von einer Zeit, die zunächst durch Feiertage wie den Buß- und Bettag, den Volkstrauertag und den Ewigkeitssonntag geprägt ist,
hinein in die Advents- und Weihnachtszeit. Von dort geht es auf den Jahreswechsel mit Silvester zu, rein ins neue Jahr, in neue Vorsätze und so weiter…
So befinden wir uns, wenn Sie den Brief erhalten, im November. Passend zu diesem durchaus überschatteten Monat klingt da der Monatsspruch aus Jeremia 31,9: „Gott spricht: Sie werden weinend kommen ...“.

Ja, in diesem Jahr gilt das ganz besonders. Wie viele Tränen wurden geweint, weil nicht alles so lief, wie man es sich gewünscht hätte. Wie viel Frust über geplatzte Pläne. Wie weh hat es getan und tut es wieder, sich nicht besuchen zu können, sich nicht umarmen zu dürfen, nichts gemeinsam zu unternehmen. Wie viele Tränen wurden geweint.  

Es ist viel Weinen in der Welt und doch endet das Jahr nicht im November und mit den Tränen, denn: „Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten!“ So geht der Spruch aus dem Prophetenbuch Jeremias weiter.
Gott will uns trösten und leiten. Auch das Jahr 2020 soll nicht mit Tränen enden. Es gibt einen Trost. Und der liegt in der Ankunft Jesu. Gott kommt als Mensch in die Welt, er bringt Frieden und Hoffnung.
Die Adventszeit vor Weihnachten ist also eine Trostzeit: „Tröstet, tröstet mein Volk, redet mit Jerusalem freundlich!“ Das ermutigt uns, nicht stehen zu bleiben bei den Verlusten und dem, was uns in diesem Jahr so manche Freude genommen hat. Gott will uns auch wieder herausführen aus hoffnungslosen und verfahrenen Lebenssituationen.

Aber wie geht das in einer Advents- und Weihnachtszeit, in der besinnliche Adventskonzerte, Punschtrinken auf dem Weihnachtsmarkt in geselliger Runde, Gottesdienste mit vielen Menschen im singenden O-du-fröhliche-Chor oder Heiligabend im großen Familienkreis wegfallen? Es ist schwer vorstellbar.

Vielleicht hilft es, wenn wir unseren Blick wieder mehr auf die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium lenken. Unter Corona-Bedingungen bekommt diese eine spezielle Aktualität. Wie sehr sich die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef auf die warme, kuschelige Herberge gefreut haben müssen. Doch daraus wird nichts. All ihre Pläne platzen. Maria und Josef müssen draußen bleiben und sich mit einem Stall zufriedengeben. 
Doch das ist Gott egal. Nicht in einem Palast, sondern in einem Stall kommt er uns Menschen nahe und macht uns so deutlich: Da wo wir sind, egal in welcher Situation, egal an welchem Ort, egal zu welcher Zeit, da ist er auch. Gott ist uns in Jesus nahe.
Darum lassen wir uns in diesem Jahr nicht davon abhalten, getröstet zu werden und hoffnungsvoll zu sein. Auch wenn Corona zu wenig Raum in der Kirche und anderswo zulässt und wir auf Wiesen, Bildschirme oder Fensterscheiben umgeleitet werden müssen.

Nehmen wir den Trost und die Hoffnung, die an Weihnachten zu uns kommt, auch mit ins neue Jahr. „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Auch wenn alles um uns herum anders ist, Gott bleibt derselbe. Er schenkt uns ein neues Jahr in seiner Gegenwart.

Ihre Diakonin
Nadja Schienke-Weigold